Hätte ich im Vorhinein gewusst, wie unglaublich schön ich es in Chile haben werde, hätte ich mir einige schlaflose Nächte ersparen können. Ich wusste, dass ich mir nur nicht zu viel im Vornherein vorstellen darf, über das was mich erwarten wird. Doch ehrlich, so einfach lassen sich Gedanken nicht abstellen. Als meine Eltern auch noch eine Überraschungsabschiedsparty in durchgängigem Chiledekor organisiert hatten, freute ich mich zwar, wäre aber fast am liebsten bei meinen Lieben geblieben.
Mit einem Tagebuch, in das viele Familienmitglieder und Freunde mir nette Wünsche für mein Abenteuer Chile geschrieben hatten, machte ich mich auf die Reise auf den anderen Kontinent.

Ich hatte schon zuvor regelmässigen Kontakt mit meiner Gastfamilie. Ich freute mich darauf sie nun endlich kennenzulernen. Bei der Ankunft in Chile wurden wir, von allen Winkeln der Welt angereist, liebevoll in Empfang genommen und nach einem informativen und lustigen Lager in ganz Chile verteilt. Mit dem Wissen, wie chilenische Familien also ticken, traf ich nun sieben Stunden von der Hauptstadt Santiago de Chile, in Angol, auf meine Gastfamilie.
Der Empfang war ausgesprochen herzlich. Ich fühlte mich vom ersten Moment an dazugehörig. Die Informationen über das chilenische Leben waren interessant, aber meine Gastfamilie schien sich nicht daran zu halten.

Ich dachte einfach Glück gehabt zu haben. Ich bemerkte schnell, dass ich eine ausgesprochen nette Gastfamilie bekommen hatte; Die Chilenen sind ein gastfreundliches, fürsorgliches und liebevolles Volk. Auch wenn ich erwähnt hatte, dass meine Gastfamilie kein bisschen so ist, wie wir im Empfangslager erfahren hatten, stimmt doch eines für alle Chilenen: Pünktlichkeit existiert nicht! Das lernt man schnell und da man es weiss stört es auch nicht.

Schon am ersten Tag bei meiner Gastfamilie hatte sich meine Gastmutter um meine Uniform und die Schulsachen gekümmert. So hatte ich für meinen Schulstart, schon ein Zugehörigkeitsgefühl. Am Nachmittag ging ich dann auch schon zur Schule und traf das erste Mal meine Klasse. Ich war extrem nervös und brachte, obwohl ich in Gedanken alle möglichen Smalltalkfloskeln geübt hatte, kein einziges Wort raus. Am nächsten Tag hatte ich meinen ersten offiziellen Schultag. Ich war noch nervöser als am Tag zuvor. Die Menschen standen die ganze Zeit um mich herum und haben mich Dinge gefragt. Anfangs fühlte ich mich wie eine prominente Person, da meine Klassenkollegen wirklich immer bei mir waren. Ich wirkte in der kleinen Schule als einzige Austauschschülerin doch sehr exotisch. Der herzliche Umgang der Schüler, aber auch der Lehrer (es läuft alles sehr familiär ab) half mir mich zurecht zu finden. Bald gehörte ich zum Schulalltag dazu und da ich mich optisch ja doch nicht so unglaublich vom Rest unterschied, fühlte ich mich liebevoll akzeptiert und integriert.

Im September waren die „Alianzas“, ein dreitägiges Schulfest. Die Schule wurde klassenübergreifend in drei Gruppen aufgeteilt und jede bekam sein eigenes Thema. Blau (Bösewichte), Grün (Cowboys) und Rot (Superhelden). Ich war im Team Rot. In diesen drei Tagen absolvierten wir viele kleine Wettbewerbe, wie Sackhüpfen oder Karaoke und viele Dinge mehr, die auf unserem Superheldenthema basierten. Die ganze Schule steckte unglaublich viel Arbeit in das Ganze um die kleinen Wettbewerbe zu gewinnen. Auch wenn wir nicht gewannen, haben diese Tage sehr viel Spass gamacht und ich fand es sehr spannend mich immer mit meinen Freunden zu treffen, um alles vorzubereiten und planen.

Im Oktober organisierte AFS ein spannendes und lustiges Treffen für alle Austauschschüler. Es war interessant zu hören, wie es allen ergangen war. Und so wie hier zu spüren war, waren alle glücklich.

Jetzt geht schon der November dem Ende zu und da ich nur noch bis Januar da bleibe, macht sich Wehmut breit. Ich hatte bis anhin so eine schöne Zeit, ich bin hier mit meinem Herzen voll angekommen, dass ich am liebsten die immer kürzer werdende Zeit ausblenden möchte.

Im November feierte ich meinen 16. Geburtstag und meine Gastfamilie hatte mir extra eine Sachertorte (ich bin halb Schweizerin und halb Österreicherin) gekauft. Es war ein unvergesslicher Geburtstag. In meiner Gastfamilie werde ich sehr verwöhnt. Da ich gerne backe, versuche ich ihnen mit Apfelwähe, Zopf und Keksen immer wieder mal was zurückzugeben.

Die Zeit läuft nun immer schneller. Ich gebe mir Mühe alle Momente zu geniessen, doch ich schweife immer mehr zum Gedanken ab, dass mein Erlebnis bald zu Ende sein wird. Ich freue mich sehr auf meine Lieben zu Hause, doch werde ich Chile wirklich vermissen. Meine Gastschwester hat soeben die Schule abgeschlossen. Sie wird in Europa studieren, nur 2 Stunden von mir entfernt. Auch wenn ich sie ja jetzt noch sehe, freue ich mich darauf, dass ich sie wiedersehen werde. Ich bin glücklich, dass ich meine Idee vom Austauschjahr auch ausgeführt habe, denn ausser einer Sprache, habe ich auch eine zweite Familie und viele Freunde gewonnen.

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