In der heutigen Welt brauchen Schülerinnen und Schüler mehr als nur das Verständnis für kulturelle Unterschiede. Sie benötigen ebenso praktische Werkzeuge, um über Differenzen hinweg zu kommunizieren, andere Perspektiven einzunehmen und auf Situationen zu reagieren, in denen kulturelle Missverständnisse oder Diskriminierung entstehen können. AFS Global Up Teen adressiert diese Bedürfnisse, indem es interkulturelles Wissen, praktische Fähigkeiten und angeleitete Reflexion kombiniert.
AFS Interkulturelle Programme Schweiz hat das Global Up Teen vor Kurzem in zwei Gymnasialklassen am Gymnasium Interlaken und am Gymnasium Bern-Kirchenfeld durchgeführt.
Das Programm Global Up Teen kombiniert digitales Lernen im eigenen Tempo mit moderiertem Dialog, um Schülerinnen und Schüler beim Aufbau interkultureller Kompetenz zu unterstützen. Die Online-Module führen in Konzepte wie Kultur und Identität, Kommunikationsstile, Stereotype und Generalisierungen, kulturelle Anpassung, Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit ein. Moderierte Einheiten bieten den Jugendlichen anschliessend die Möglichkeit, diese Konzepte durch Diskussionen, Simulationen und erfahrungsbasierte Aktivitäten zu erkunden und anzuwenden – und so Theorie und Methoden mit realen Erfahrungen zu verknüpfen. Je nach Kontext können diese Einheiten online oder in Präsenz stattfinden.
Für die beiden oben genannte Klassen hat sich AFS dafür entschieden, die moderierten Einheiten direkt im Klassenzimmer durchzuführen. Geleitet wurden die Lektionen von Jennifer Petree, einer AFS-Alumna und ausgebildeten interkulturellen Trainerin. Sie arbeitete eng mit Gaby Muntwyler zusammen, der Verantwortlichen für Interkulturelles Lernen und Schulbeziehungen bei AFS Schweiz, um die Aktivitäten an das schulische Umfeld anzupassen. Dank seiner flexiblen Natur fügt sich das Global Up-Programm mühelos in unterschiedlichste Bildungsrahmen ein – vom reinen Online-Fernunterricht bis hin zum Präsenzunterricht, wie hier demonstriert.

Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Interlaken mit ihren Global Up Teen-Zertifikaten.
Die Jugendlichen wurden dazu ermutigt, interkulturelle Konzepte in die Praxis umzusetzen, anstatt nur darüber zu sprechen. Sie untersuchten ungewohnte Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln und nutzten die D.I.V.E.-Methode (Describe, Interpret, Verify, Evaluate – Beschreiben, Interpretieren, Verifizieren, Bewerten), um zu analysieren, wie Annahmen die Art und Weise prägen können, wie wir die Worte und Handlungen anderer Menschen deuten.
Kommunikationsstile und Konfliktbearbeitung bildeten einen weiteren wichtigen Bestandteil der Erfahrung. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten sich durch Situationen mit diskriminierenden oder mikroaggressiven Äusserungen und überlegten, wie sie reagieren und Mitschüler unterstützen können, die Rassismus erleben. Durch Simulationen und Gruppenaktivitäten hatten sie die Möglichkeit, Kommunikation, Perspektivenwechsel, Konfliktlösung und aktives Engagement (Active Allyship) in alltäglichen Interaktionen zu üben.

Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Bern-Kirchenfeld arbeiten während einer interaktiven Global Up Teen-Klassenzimmeraktivität zusammen.
Für einen Schüler wurde der Wert der erfahrungsbasierten Aktivitäten schnell deutlich: «Die Teilnahme an den Simulationen hat mir gezeigt, wie leicht Missverständnisse entstehen, wenn wir davon ausgehen, dass jeder die Welt so sieht wie wir.»
Das Klassenzimmer bot der Moderatorin zudem die Möglichkeit, die Gruppendynamik zu beobachten und Gespräche spontan zu vertiefen. Ein Schüler hob hervor, welchen Unterschied dies für das Gesamterlebnis machte: «Dass die Moderatorin direkt bei uns im Klassenzimmer war, hat einen riesigen Unterschied gemacht. Es fühlte sich nicht wie ein gewöhnlicher Vortrag an – wir waren ständig in Bewegung, haben diskutiert und gemeinsam Ideen ausprobiert.»
Gleichzeitig verschafften die digitalen Module den Schülerinnen und Schülern eine gemeinsame Grundlage, bevor sie für den moderierten Unterricht zusammenkamen. Im Zusammenspiel bewiesen die beiden Komponenten den besonderen Wert eines «Flipped Classroom»-Ansatzes: Die Jugendlichen bauten zuerst eigenständig Wissen auf und hatten anschliessend Raum, das Gelernte zu diskutieren, zu hinterfragen und anzuwenden.
Auch die Lehrpersonen schätzten diese Kombination. Eine Lehrkraft beschrieb die Erfahrung als «die ideale Konstellation» und hob die Gelegenheit hervor, Schülerinnen und Schüler dabei zu beobachten, wie sie sich aktiv an interkulturellen Diskussionen beteiligten und gleichzeitig ihr Englisch im Unterricht praktizierten.

Am Gymnasium Bern-Kirchenfeld nehmen Schülerinnen und Schüler an einer praktischen Aktivität teil, die darauf ausgelegt ist, Kommunikation und Perspektivenwechsel zu fördern.
Im Verlauf des Programms entwickelten die Schülerinnen und Schüler ein breiteres Verständnis von interkultureller Kompetenz, einschliesslich analytischer Beobachtung, anpassungsfähiger Kommunikation, Perspektivenwechsel, Konfliktlösung und aktivem Einsatz gegen Diskriminierung. Sie beschäftigten sich ausserdem mit Konzepten wie Stereotypen und Generalisierungen, Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit sowie den sichtbaren und weniger sichtbaren Dimensionen von Kultur. Sie reflektierten, wie Identität, Privilegien und Kontext einen Einfluss haben, so dass verschiedene Menschen dieselbe Situation unterschiedlich erleben.
Die Erfahrung am Gymnasium Interlaken und am Gymnasium Bern-Kirchenfeld veranschaulicht, wie sich Global Up Teen an unterschiedliche Lernumgebungen anpassen kann und gleichzeitig einen zentralen Lernprozess bieten kann. Unabhängig davon, ob die moderierten Sitzungen online oder vor Ort stattfinden, verbindet das Programm digitales Lernen mit angeleiteter Praxis und Reflexion.
Diese Erfahrungen bringen das Engagement von AFS zur Förderung von Active Global Citizens direkt in die Klassenzimmer. Durch angeleitete Erfahrungen, die Wissen, Reflexion, Dialog und Praxis miteinander verknüpfen, bauen die Jugendlichen Schlüsselkompetenzen in den vier Dimensionen des AFS-Bildungsrahmens auf: Value & Belong (Wertschätzen & Dazugehören), Inquire Critically (Kritisch Hinterfragen), Understand & Relate (Verstehen & In Beziehung Treten) und Take Action (Handeln).
Für Schulen, die das interkulturelle Lernen stärken möchten, bietet Global Up Teen einen strukturierten und zugleich flexiblen Ansatz zur Vermittlung jener Kenntnisse, Fähigkeiten und Haltungen, die Schülerinnen und Schüler benötigen, um sich in einer zunehmend diversen und vernetzten Welt zurechtzufinden.
Wenn Sie diese bereichernden Erfahrungen auch an Ihre Schule holen oder mehr über unsere Arbeit in der Schweiz erfahren möchten, kontaktieren Sie uns bitte unter [email protected].
